2. Wie sich Jesus mit dem Problemen seines Volkes auseinandersetzte
2.2. Das Verhalten Jesu: Die Verwirklichung der Botschaft im eigenen Wirkungsbereich als Anfang einer umfassenden Neugestaltung der Welt

Was Jesus für die ganze Gesellschaft proklamierte, verwirklichte er samenkornartig und Vorbild setzend in seinem eigenen Wirkungsbereich:
2.2.1 Die Heilung der Kranken
Viele Krankenheilungen werden von Jesus berichtet. Dabei handelt es sich nicht um "Wunder", die die Naturgesetze durchbrechen wollen. Es wird vielmehr betont, dass es der "Glaube" der Kranken sei, der sie rette, das unbedingte Vertrauen, dass ihr Schicksal durch die Begegnung mit Jesus sich wandeln wird 21.
Aus im höchsten Maße Ausgelieferten, Zukunftslosen und Ohnmächtigen werden sie Menschen, die auf eigene Füße gestellt werden 22. Wo sie mit aller Kraft vertrauen, nur da 23 kann Jesus sie "heil" machen. Diese im Evangelium immer wieder beschriebenen "Heil-Werdungen" von einzelnen Menschen sind Beginn der "Heil-Werdung" der ganzen Gesellschaft: So wie diese Kranken wieder auf eigene Füße kommen, so fängt die ganze Gesellschaft an, heil zu werden.
2.2.2 Herrschaftsfreiheit im Jüngerkreis

Die von Jesus proklamierte Herrschaftsfreihheit ist im Jüngerkreis gelernt und praktiziert worden. Zeugnisse dafür sind die (späte) Erzählung von der Fußwaschung der Jünger durch Jesus, ihren "Herrn", das Abendmahl, sowie vor allem die programmatische Ablehnung des Machtanspruchs der Söhne des Zebedäus (Dienen statt Herrschen!) 24.
2.2.3 Die Befreiung von Frauen und Kindern

Auch zahlreiche Frauen und Kinder gehörten zum Jüngerkreis Jesu 25, und zwar - und dies ist das Besondere - offenbar gleichberechtigt mit den Männern.
Diese für alles patriarchalische Denken bis heute skandalöse Neuerung ergibt sich z. B. aus der Erzählung von Maria und Martha 26, aus den Berichten von Kreuzigung und Auferstehung (Frauen als erste Zeugen der Auferstehung) 27 und aus weiteren Stellen, in denen Gespräche und Begegnungen Jesu mit Frauen berichtet werden.
Völlig neu ist auch Jesu Einstellung gegenüber den Kindern:
er verwirft nicht nur die übliche Einstellung, dass Kinder "Noch-nicht-Menschen" sind (Erwachsene als Leitbild des Menschen), sondern setzt umgekehrt den Erwachsenen die Kinder als Vorbild des Mensch-Seins vor Augen ("gerade für Menschen wie sie steht Gottes Neue Welt offen!") 28.
2.2.4 Das Teilen als Prinzip der Gemeinschaft.

Im Gegensatz zur gängigen Praxis der Eroberung und Verteidigung von Privilegien in einer "Überlebenskampf-Gesellschaft" hat Jesus das geschwisterliche Teilen zum Prinzip in einer gewaltfreien Gemeinschaft gemacht, in der jeder das Notwendige hat. Dies ist erkennbar hinter der Erzählung von der "Speisung der 5000" 29, dem "Zöllnergastmahl" 30 und es wird ausdrücklich geschildert in dem Bericht über die Urgemeinde 31 , die sich in dieser Praxis sicher auf Jesus berufen konnte. Statt des Nebeneinander von Überfluss und Verhungern das Teilen von Brot und Macht und Lebensmöglichkeiten.
Anmerkungen:
21 siehe z. B. Matthäus 9,27ff
22 Markus 2,1ff
23 Markus 6,5
24 Markus 10,35ff
25 Lukas 8,1ff
26 Lukas 10,38ff
27 Markus 16,1-8
28 Matthäus 19,13ff
29 Markus 3,30ff
30 Markus 2,13ff
31 Apostelgeschichte 2,43ff und 4,32ff
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© Kreuzgemeinde Alt-Lehndorf Braunschweig
Stand 24.01.02