2. Wie sich Jesus mit dem Problemen seines Volkes auseinandersetzte
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2.1.3 Was heißt das konkret? Beispiel Boden- und Arbeitsrecht (Fortsetzung)
Zur Erläuterung: Das "Jahr, in dem Gott sein Volk retten will", ist das sogenannte "Erlassjahr" oder "Sabbathjahr", über das es im Alten Testament folgende gesetzliche Bestimmungen gibt: Alle sieben Jahre findet ein Schuldenerlass statt: d. h. alles Land, das der Eigentümer hatte verkaufen müssen, wird ihm zurückgegeben, und alle Menschen, die sich in Schuldensklaverei hatten verkaufen müssen, werden an diesem 7. Jahr wieder freigelassen - mit ihrem Ackerland.
Grundlage dieses Gesetzes war die Überzeugung:
- Das Ackerland (von dem die Menschen leben) gehört Gott allein. Es kann daran deshalb kein Privateigentum geben. Es ist also verboten, Land zu kaufen oder zu verkaufen auf immer. Es gibt am Land nur Nutzungsrechte auf Zeit.
- Das Volk Israel und seine Menschen gehören Gott allein. Deshalb kann man sie nicht als Sklaven kaufen oder verkaufen. Gott allein ist ihr Herr - kein Mensch13.
Sinn dieser gesetzlichen Regelung: Vermeidung der Ansammlung von (modern gesprochen) "Produktivvermögen" in immer weniger Händen; Vermeidung der Spaltung der Gesellschaft in Reiche und Arme, Mächtige und Abhängige; Bewahrung bzw. ständige Wiederherstellung einer Gemeinschaft, in der alle freien Zugang zum Produktivvermögen und seinen Erträgen haben, und in der alle frei Ziele und Ertragsbestimmung ihrer Arbeit festsetzen können.
Dieses "Erlassjahr" hat Jesus neu ausgerufen, nachdem es im Laufe der Geschichte immer mehr außer Kraft gesetzt worden war. Von hier aus ist auch deutlich, dass die Armen, denen er die befreiende Botschaft vom Herrschaftsantritt Gottes und von der Entmächtigung ihrer bisherigen Herren bringt, tatsächlich die wirtschaftlich und sozial Armen sind, die Schuldsklaven, Arbeitslosen, Kriminellen, die Frauen, Kinder und alle übrigen Deklassierten.
Allen, die "blind" sind, öffnet Jesus (darüber?) die Augen. Er proklamiert die Neuordnung des Lebens im Sinne einer herrschafts- und unterdrückungsfreien, geschwisterlichen Gemeinschaft, in der sich die Mitglieder dienen und helfen, und in der jeder hat, was er braucht14.
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13 siehe 3. Mose 25,5; 1. Mose 15; Neh. 5; Jeremias 34,8ff
14 vgl. z. B. Geschichte von der Fußwaschung, Johannes 13
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