Informationen zur Geschichte der Kirche
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Die Kreuzkirche in Braunschweig Alt- Lehndorf ist eine mittelalterliche Dorfkirche, die Ausgang des 20. Jahrhunderts in außerordentlicher Weise umgestaltet wurde. Dabei fand die Formensprache der Zeit - der Jugendstil - Verwendung. Gleichzeitig wurden frühchristliche Überzeugungen und Hoffnungsinhalte in der Kirchenausmalung und -ausgestaltung zu einer beeindruckenden Gesamtaussage verdichtet. |
Die Geschichte der Kreuzkirche
Um 800 fanden in unserem Gebiet die ersten Taufen bei Ohrum an der Oker statt. Vielleicht hat zu dieser Zeit eine Siedlung - später Lehndorf genannt - schon existiert.
1067 jedenfalls wird "Lehndorpe" zum ersten Mal urkundlich erwähnt.
1245 ist eine Kirche (ecclesia) schriftlich bezeugt, deren Bau bereits eine unbekannt lange Zeit zurück liegt. Bei dieser Kirche handelte es sich um das heutige Querschiff der Kreuzkirche. Diese Kirche war eine der für unser Gebiet typischen romanischen Dorfkirchen. Ihre Mauern sind, wie man heute noch sieht, aus Bruchsteinen errichtet.
Sie wurde möglicherweise wie die Braunschweiger Stadtkirchen im 12. Jahrhundert erbaut. Der reichlich verwendete Rogenstein, der am Nußberg gebrochen wurde und auch beim Bau der Stadtkirchen verwendet wurde, weist darauf hin.
Diese romanische Dorfkirche hatte ihren Eingang im Norden (die steinernen Türpfosten sind noch im heutigen Mauerwerk zu sehen) und sie besaß einen typischen Westturm. Auch hier ist die entsprechende Mauerfuge noch zu erkennen - und kleine romanische Fenster, die heute nicht mehr erhalten sind.
1249 Braunschweig Brunswic anno MCC quadragefimo nono.
Ritter Johann von Woehlde verkauft und eignet dem Kreuzkloster elf Hufen mit der Kirche zu Lehndorp.
Unter den Zeugen:
Ekbertus de cimeterio et Ludolphus de septem turbus; Basilius, Henricus advokatus; Henricus Boneko; Rola-???
1440 wurde die Kirche renoviert, darauf verweist der Datumsstein an der Südseite des alten Kirchenschiffes ("renovata est").Wahrscheinlich wurde zu dieser Zeit auch der alte Eingang im Norden zugemauert und ein neuer Eingang in die Westseite des Turmes eingebaut, der heute noch als Nebeneingang erhalten ist.
1532 wurden Kirche und Gemeinde evangelisch, vier Jahre nach der Stadt Braunschweig.
1605 brannte die Kirche im Zusammenhang mit der "Hildesheimer Stiftsfehde". Danach verschwand der Turm und es kam der heute noch existierende Dachreiter.
Nachdem unsere Kirche z. T. baufällig geworden war, kam es 1903-1905 zu umfangreichen Umbau- und Erweiterungsarbeiten. Lehndorf war damals noch nicht zu Braunschweig eingemeindet. Dabei erhielt die Kirche ihre heutige, einzigartige Gestalt und Ausgestaltung.
- ein neues Hauptschiff in Süd-Nord- Richtung wurde gebaut, in das die vorhandene mittelalterliche Kirche als Querschiff einbezogen wurde.
- im Norden entstand eine Apsis für den Altar, der bisher wie üblich im Osten gestanden hatte.
- die Südfassade wurde als Hauptfassade gebaut, und in sie wurde auch der Haupteingang verlegt,
- die ganze Innenausstattung der Kirche wurde erneuert:
Altar, Kanzel und Taufstein im Jugendstil erneuert; wovon allein der Taufstein noch erhalten ist. Radleuchter, Bänke und die ganze Innenausmalung, die Decke und Wände umfasste.
Als Maler wurde Adolf Quensen, "Hof- und Dekorationsmaler" des Herzogs von Braunschweig, verpflichtet.
Das gesamte Bau- und Ausgestaltungsprogramm folgte dabei nicht nur der Formensprache des Historismus, sondern auch des Jugendstils. So entstand ein in seiner Art einzigartiger Kirchenbau, für den es Vergleichbares in Braunschweig und weit darüber hinaus nicht gibt.
Nach dem 2. Weltkrieg wurde die schadhaft gewordene Innenausmalung übertapeziert bzw. übergestrichen. Die Kirche wurde schließlich grauweiß.
1957 (erst) erhielt die Kirche den Namen "Kreuzkirche", wohl wegen ihrer nun kreuzartigen Form und in Erinnerung an das Kreuzkloster, dem sie früher zugehörte, (siehe den Text der Urkunde).
1972 wurde die Decke wieder freigelegt, gleichzeitig jedoch Altar und Kanzel sowie die Bänke entfernt bzw. zerstört. Auch der Radleuchter verschwand.
1989 beschloß der Kirchenvorstand, die Innenausmalung vor allem in der Apsis, an den Bögen und in den Fensterlaibungen freilegen und wieder herstellen zu lassen. Auf eine Gesamtwiederherstellung aller Wandmalereien wurde verzichtet.
Am 18. März 1990 erfolgte die "Wiedereinweihung" mit einem Gottesdienst.
Als weitere Aufgaben an ihrer Kirche hat sich die Kreuzgemeinde vorgenommen:
- die Wiederherstellung der Kanzel
- die Erneuerung der Beleuchtung, samt Nachbau des verlorenen Radleuchters (ist inzwischen verwirklicht worden)
- Neugestaltung der Pforte vor dem Eingang im Stil des Portals (ist inzwischen verwirklicht worden)
Die bisherigen Renovierungsarbeiten sind durch erhebliche Spenden aus der Gemeinde möglich geworden.
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Das Bildprogramm der Kirchenausmalung
Beherrschendes Motiv der gesamten Kirchenausmalung ist das "Neue Jerusalem", das vom Himmel auf die Erde herunter kommt. Zunächst zu den Gottesdienstteilnehmern in der Kirche, dann aber - durch sie und andere Christen - die ganze Welt neugestaltend, so dass Ungerechtigkeit und Leid endlich ein Ende finden.
Dieses "Neue Jerusalem", so wie es der Seher Johannes in seiner Offenbarung beschrieben hat, ist doppelt in unserer Kirche dargestellt:
einmal als Deckenbild in der Vierung, umgeben von den Symbolen der vier Evangelisten, zum anderen als Radleuchter unter der Vierung, in den Sternen des Himmels schwebend. Vom "Neuen Jerusalem" fließt das "Wasser des Lebens" in alle vier Himmelsrichtungen (Deckenbild), und von ihm aus geht das "Licht des Lebens" in alle Welt (Leuchter).
Der 2. bildnerische Schwerpunkt in unserer Kirche macht deutlich, wie und durch wen diese große Hoffnung des "Neuen Jerusalems" hier auf Erden Erfüllung finden wird:
durch Jesus Christus von Nazareth, der als künftiger Herr und Maßstab aller Wirklichkeit in der Höhe der Apsis dargestellt ist.
Vor ihm ist die Taube als Symbol des Heiligen Geistes, unter ihm Weinstock und Kornähren, an das Abendmahl erinnernd, in dessen Gemeinschaft er weiter gegenwärtig ist.
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Die Formensprache der Kirche
Das Einzigartige an unserer Kirche ist - kunstgeschichtlich gesehen - die Tatsache, dass beim Umbau von 1903-1905 Elemente des Jugendstils klar zum Zuge kamen und an zahlreichen Stellen die Formensprache des Historismus, die ansonsten bestimmend ist, verdrängten. Der Jugendstil tritt vor allem in der Gestaltung der Südfassade hervor, weiterhin beim Fries hinter dem Altar (Kornähren, Lilien Klatschmohn, sowie die Pflanzenornamentik darunter) und in dem grünen Bogen vor der Apsis, wo die großen, spiegelbildlich- linearen Ornamente ins Auge fallen.
Als "Jugendstilkirche" ist unsere Kirche eine Besonderheit weit über die Braunschweiger Landeskirche hinaus.
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Die Darstellungen dieser Seite beruhen auf historischen Arbeiten von Gunnhild Ruben und Peter Former.
Ihnen sei an dieser Stelle gedankt.
Im Auftrag des Kirchenvorstandes der Kreuzgemeinde ALt-Lehndorf. 1991/2000
Text: Rudolf Mercker (Ehemaliger Pastor dieser Gemeinde)
Fotos: Elke Mercker und H. Dieter Brinkmann
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