Gemeindebrief Oktober 2006
Orientierung:
Goldenes Andenken
"Das Land gibt sein Gewächs; es segne uns Gott, unser Gott." (Psalm 67, Vers 7)

In Bergbauregionen erzählt manche Sage von thronenden Kaisern, stolzen Rittern, goldenen Pokalen und Festleuchtern und reich gedeckten Tischen unter Tage. Zufällig gerät ein gewöhnlicher Sterblicher da hinein, wird freundlich begrüßt und hört von vergangenem Ruhen und künftiger Würde. Dann ist der Erdling plötzlich wieder über Tage, blinzelt in die Sonne und hielte alles nur für einen Traum, hätte er nicht ein goldenes Andenken in Händen.
Solche Sagen spiegeln Erfahrungen wider von Schatzsuche und "findigem" Bergbau, von verflossener Zeit, von Reichtum und Vergänglichkeit. Außerdem wird in diesen Sagen die Sehnsucht bewahrt nach einem blühenden Gemeinwesen und ein tiefer Respekt vor Mutter Erde: Sie birgt Geheimnisse, hält Schätze bereit und trägt und ernährt uns.
Nach christlichem Glauben sind wir Kinder der Erde und zugleich des Himmels, jener Leben spendenden Kraft, die sich in Jesus gezeigt hat. Erntedank erinnert daran und fordert uns zu einem respektvollen Umgang mit Mutter Erde auf.
Harald Merz, Pastor

Mein Erntedank

Ernten, mein Gott, Herr meines Lebens,
ernten darf ich, was ich nicht säte:
alles Glück und alle Liebe,
alle Kraft und alle Gesundheit,
immer wieder einen Morgen
und immer wieder einen Sonnentag.
Dafür möchte ich dir danken.

Vor dir breite ich die Ernte meines Lebens aus:
alle Wege, die ich gegangen bin,
alle Ziele, die ich erreicht habe,
auch alle Sorgen und Befürchtungen,
jeden Abschied und jegliche Trauer.

Nicht alles, Herr, reifte zur Frucht.
So lege ich neben meinen Dank
meine Enttäuschungen vor dich hin -
jede einzelne eine bittere Frucht,
die mich daran erinnert,
daß mein Leben kein Traum ist.
Wie die Erde kein Traum ist,
wie meine Kinder kein Traum sind,
wie die Menschen, mit denen ich mein Leben teile, nicht Traum sind,
sondern von Fleisch und Blut.

Für die Erde, die mich trägt, für die Menschen,
die mich tragen, sage ich dir Dank:
meinen Erntedank.
Daß ich dann und wann Frucht bin
im Leben der andern,
ist meine Bitte an diesem Tag.
Amen
Erhard Domay



Herr, wie sind deine Werke
so groß und viel! Du hast sie
alle weise geordnet, und die
Erde ist voll deiner Güter.
Psalm 104,24


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© Kreuzgemeinde Alt-Lehndorf Braunschweig
Stand 27.09.2006